food and soul

The Power of Curry

Seit ich nicht mehr auf Krücken sondern mit zwei Beinen durchs Leben gehe, ist meine Welt wieder aufregender geworden. Obwohl es noch etwas dauern wird, bis ich unbeschwert durch die Welt hüpfen kann. Mein Gelenk ist fast steif und ich habe Schmerzen beim Gehen (besser gesagt beim Humpeln). Doch ich konnte der Couch ade sagen und kann wieder (fast) all die Dinge machen, die ich früher als selbstverständlich gesehen habe und auf die ich aber in den letzten Wochen verzichten musste. Jetzt nehme ich nichts mehr so schnell für selbstverständlich.

 

Was mir besonders abgegangen ist, ist das Einkaufen. Nein, nicht Schuhe oder Klamotten. Lebensmittel! In den vielen Wochen mit Gipsbein war ich sehr dankbar, dass mich mein Umfeld mit Essen versorgt hat. Auf irgendwelche Sonderwünsche zu bestehen, das wollte ich dann auch nicht. Doch nun kann ich wieder aus dem Vollen schöpfen und eigenständig das einkaufen, was ich wieder einmal gerne essen möchte. Ich kann gemütlich durch die Gänge des Supermarktes schlendern (besser gesagt humpeln), die rotbackigen Äpfel in den Obstkisten bewundern und über die Farbenpracht von Karotten, Lauch und anderem Gemüse staunen. Ich kann meinen Vorrat an dunkler Schokolade auffüllen und vor allem kann ich mich wieder mit Gewürzen eindecken. Nicht mit Pfeffer oder Zimt, sondern ich brauche ayurvedische Gewürze, um wieder eine große Ladung selbstgemachtes Currypulver zu mixen.

 

Das Rezept dazu habe ich vor ungefähr zwei Jahren entdeckt, als ich ein sehr spannendes Buch der Neurologin Dr. Kulreet Chaudhary las. Die in den USA lebende Ärztin mit indischen Wurzeln vereint in ihrer Praxis das ayurvedische Wissen ihrer Vorfahren mit der westlichen Medizin und neuesten Wissenschaft. In ihrem Buch beschreibt sie, wie man seine Verdauung und damit den Stoffwechsel optimal mit ayurvedischen Kräutern unterstützen kann. Da ich auch immer alles gleich ausprobiere, deckte ich mich damals mit interessant klingenden Gewürz- und Kräutermischungen ein und nahm eine Zeitlang abends davon einen Trunk, der an Geschmacklichkeit sehr zu wünschen übrig ließ. Was mir von diesem Ausflug in die Welt des Ayurveda geblieben ist, ist das selbstgemachte Currypulver, das ich seitdem – vor allem in der kühleren Jahreszeit – in mein Essen mische. Es schmeckt einfach köstlich und gibt Suppen und Eintöpfen eine besondere Note.

 

Ich mache mich also auf in Stadt um mir die Zutaten für meine Currymischung zu besorgen. Eigentlich könnte ich auch alles über das Internet bestellen, doch ein Ausflug in die Stadt ist schon lange fällig. Außerdem freue ich mich sehr darauf, in die Exotik des dortigen Ayurveda-Shops einzutauchen – es ist immer ein Fest der Sinne. Mit Gewürzen eingedeckt treffe ich im Café noch meine Freundin und genieße das bunte Treiben der Stadt, dann mache ich mich wieder auf den Heimweg. Dort bereite ich eine doppelte Menge Currypulver zu und mische gleich davon einen ½ Teelöffel in meine Gemüsecremesuppe, die ich schon für das Abendessen vorbereitet habe. Wie herrlich das duftet. Diesmal werde ich darauf achten, dass mir die Mischung so schnell nicht ausgeht!

 

Wer die Currymischung ausprobieren möchte, hier das Rezept:

 

Zubereitung:

8 TL gemahlene Kümmelsamen

8 TL gemahlene Koriandersamen

8 TL gemahlene Fenchelsamen

8 TL getrocknetes Ingwerpulver

4 TL Kurkuma Pulver

4 TL Amlapulver

 

Amla (auch Amalaki oder indische Stachelbeere ist eine Frucht, die in der ayurvedischen Medizin eine große Rolle spielt. Sie gilt wegen ihrer heilenden Eigenschaften als „Supernahrungsmittel“. Ich kaufe die Samen und mahle sie selber. Man kann aber auch bereits gemahlenen Kümmel, Koriander und Fenchel verwenden. Dann vermische ich alle Zutaten und bewahre die Currymischung gut verschlossen auf.

 

Ich bin gespannt, ob euch diese Mischung auch so gut schmeckt wie mir!

 

Foto: unsplash.com

Martina Tischer

15.03.2018