food and soul

Body Love

Body Love

Als ich vor einigen Tagen eine populäre Frauenzeitschrift durchblätterte, war ich positiv überrascht. Denn ich fand keine Artikel über die neuesten Diäten oder andere Tipps und Tricks, wie man abnimmt und seinen Körper in die „richtige Form“ bringt. Dafür kamen darin wunderbare Frauen zu Wort, die mit ihrem Körper im Reinen waren. Mutig wie sie waren, ließen sie sich auch in Unterwäsche ablichten um zu demonstrieren: „Ich bin schön und ich fühle mich gut in meinem Körper, auch wenn er nicht dem gängigen Schönheitsideal entspricht.“ Sie alle hatten Körper mit ein paar Dellen und Speckröllchen, ganz normale Körper eben – nicht mit Photoshop schlank und makellos gemogelt. Damit strahlten sie selbstbewusst in die Kamera.

Wir Frauen sind auf einem guten Weg, dachte ich. Dieser Beitrag motiviert hoffentlich viele von uns dazu, endlich das Streben nach einem „idealen Körper“ der nicht ihrer wahren Natur entspricht aufzugeben. Denn noch immer hungern sich Frauen dünn – oder besser gesagt dick (in der Zwischenzeit ist ja auch wissenschaftlich bewiesen, dass das Einhalten einer Diät letztendlich dazu führt, dass der Körper die Kilos anhäuft.)

Es ist so unglaublich wichtig, seinen Körper zu lieben, egal welche Form er hat, und nicht darauf zu warten, bis er endlich „perfekt“ ist– denn perfekt ist nie! Wir alle sind in unserer heutigen komplexen Welt damit beschäftigt, den Alltag so gut wie möglich zu meistern. Nicht immer haben wir genug Zeit, um uns ausreichend um uns und unseren Körper zu kümmern. Ich bin das beste Beispiel dafür, dass nicht immer alles rund läuft. Ich habe einige stressige Monate hinter mir. Der Umzug zu Jahresbeginn, das ständige Pendeln in die Stadt, verbunden mit unregelmäßigem und oft nicht ganz optimalem Essen, eine Verletzung der Schulter und wenig Zeit für Sport haben auch meinem Körper nicht unbedingt gut getan. Ich bin nicht so fit wie ich gerne sein möchte, und außerdem haben sich ein paar kleine Fettpölsterchen am Bauch dazu gemogelt. Liebe ich meinen Körper deshalb weniger? Im Gegenteil: Ich liebe ihn umso mehr! Dafür, dass er mich durch jede Herausforderung trägt. Dafür, dass er jeden Tag sein Bestes gibt. Dafür, dass er mich immer dort hin bringt wo ich hin möchte. Ich liebe ihn für seine Stärke, seine Weichheit, seine Verletzlichkeit. Für seine Schönheit und seine Großartigkeit. Ich sorge für ihn so gut es mir im Moment möglich ist, mit richtigem Essen und viel Bewegung in der frischen Luft.

Welchen Unterschied macht es, ob wir ein Kilo mehr oder weniger haben? Die Zahl auf der Waage sagt nicht aus, wie wertvoll wir sind. Ein optimaler Body Mass Index ist kein Garant für Zufriedenheit. Und doch verbringen so viele Frauen ihre Tage damit, um Kalorien oder Fettpunkte zu zählen, sich stundenlang im Fitnessstudio zu quälen und sich zu grämen, weil sie trotzdem nicht in die „richtige“ Kleidergröße passen. Schade um die Energie und Kraft, die sie anderswo viel besser einsetzen könnten. Schade um die verlorene Lebenszeit.

Wir Frauen sind auf einem guten Weg – doch für manche scheint es noch ein langer Weg zu werden. Wann werden wir endlich erkennen, dass wir in Ordnung sind, so wie wir sind? Wie wäre es anders möglich? Ist doch unser Körper aus reiner Liebe gemacht!

 

Foto: unsplash

Martina Tischer

15.11.2017